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Editorial

Editorial

Aufwärtstrend

Es wird landläufig gerne über den Niedergang geschrieben und gesprochen. Nicht ohne Süffisanz. Besonders gerne über jene Teile des Landes, die zu einem grossen Teil vom Tourismus leben. 

Es gehe bergab, seit Jahren. Mit St. Moritz beispielsweise, das sich immer noch als «Top of the World» bezeichne. Inzwischen aber unsanft auf dem Boden der Tatsachen angekommen sei. 

Von einer Krise zu reden, die irgendwann vorbeiziehe, sei falsch, es gehe vielmehr um eine Zeitenwende. Gipfel der schlechten Nachrichten: Ende Wintersaison 2016/2017 schliesst das legendäre «Marmite» auf Corviglia. «Nach 50 Jahren habe ich mit meiner Familie entschieden, dass das Jubiläumsjahr gleichzeitig unser letztes auf dem Hausberg von St. Moritz sein wird», liess Reto Mathis verlautbaren. Ein letzter Winter also mit Gerichten wie «Trüffel-Pizza» und «Corviglia-Schnee» (Kartoffelstock mit Kaviar).

 

Was sein Vater Hartly Mathis in den sechziger Jahren geschaffen hat, brauchte damals viel Mut und Optimismus. Das Bergrestaurant «Marmite» war ein grossartiger Erfolg, steht aber auch für eine andere Zeit. Als illustre Leute zu den «Mathis»-Stammgästen zählten, wie etwa Gianni Agnelli, der 2003 mit etwas über 80 Jahren gestorben ist.

 

Wer diese Wochen im Bündnerland unterwegs ist, wird wenig von einem Trend spüren, der Richtung abwärts zeigt. Eher das Gegenteil. Um bei St. Moritz als Beispiel zu bleiben: Es sind sehr viele Leute mit guten Ideen unterwegs, die nicht jammern, sondern etwas unternehmen.

 

Der Modeunternehmer Renato Faoro hat in seinem Geschäft ein «Gasthaus auf Zeit» eingerichtet. «Diesen Winter feiern wir ein kulinarisches Happening», schreibt er in seiner kleinen Broschüre «Cucina Faoro». Als Gastköche hat er Marcelo Drovandi («Josef», Zürich), Pablo Ratti («Rodolfo», Vira) und Pascal Schmutz (zuletzt «Kaufleuten», Zürich) engagiert. Mit dem Designer Silvano Vitalini trifft man einen anderen Vertreter der St. Moritzer Modeszene an ungewohntem Ort: Er schmeisst abends in der Barstreet des Hotels «Schweizerhof» neuerdings die «QN-Bar». 

Und mitten im Dorf verbreitet Blondschopf David Hatecke, Sohn des berühmtesten Metzgers im Tal, gute Laune, so dass man bei einem Côte de bœuf vom Grill und einem Glas Bordeaux (es ist weiss aufgedeckt) glatt die Welt vergisst.

 

 

Kulinarische Souvenirs lassen sich neu im auf Regionales spezialisierten Geschäft «Pur Alps» vis-à-vis vom «Kulm» entdecken. Wer was Kleines essen will, schnappt sich dazu fürs stylische Restaurant eine Flasche Sauvignon «Winkl» der Kellerei Terlan aus dem Regal (Fr. 16.90) und kommt mit einem Zapfengeld von 10 Franken zu einem wirklich preiswerten Wein. Etwas teurer wird’s im neuen, historisch-olympischen Eispavillon im Kulm-Park. 1905 errichtet, nun von Architekt Norman Foster renoviert und erweitert, gehört zum Komplex auch ein Restaurant mit Terrasse im ersten Stock, der «Kulm Country Club». Mit Sterneköchen aus der ganzen Welt als Attraktion: Daniel Humm aus New York («Eleven Madison Park» in Manhattan) machte den Anfang.

 

Substanzielles passiert nicht nur in St. Moritz, auch an kleineren Orten. Etwa im Walserdorf Tschiertschen. Dort hat der aus Malaysia stammende Unternehmer Teo Ah Khing das vor 100 Jahren erbaute Hotel «Alpina» gekauft und total saniert. Im «The Alpina Mountain Resort & Spa» ist jetzt gerade das neue GRAUBÜNDEN GEHT AUS! 2017/2018 lanciert worden. Ein Magazin mit 100 empfehlenswerten Restaurants, die es zu entdecken gilt. Dabei wünsche ich Ihnen ganz herzlich viel Vergnügen.

 

Wolfram Meister, Chefredaktor